D-Bo im Interview: „Hip-Hop ist so eine lächerliche Seifenoper”

„Ich hab’ genau wie du Scheiße gefressen
Das Glück kam vorbei, doch hat mich meistens vergessen
Die Zeit macht es besser und heilt meine Wunden
Den richtigen Weg hab’ ich alleine gefunden
Yeah… Und die Zuversicht lebt

Weil meistens nach Kummer ´was Gutes entsteht

Am Ende wird’s gut, das ist kaum zu erklär’n
D-Bo… Durch den Staub zu den Sternen“

Diese Zeilen des Songs „Alles Easy“ fassen zusammen, für was der neue D-Bo steht. Zu den bereits bekannten Attributen „ehrlich“, „deep“ und „wenig Hip Hop-konform“ kann man nun noch „innovativ“, „motivierend“ und „mitreißend“ hinzufügen. „Aufgeben is‘ nich‘, wer seinen Weg verfolgt und Geduld hat, wird dafür auch belohnt“, scheint die unterschwellige Botschaft zu lauten.

In der Tat standen bei ihm einige Veränderungen auf dem Programm. Er selbst sprach von einem Quantensprung in seiner künstlerischen Entwicklung. Sein fünftes Studioalbum „die Lüge der Freiheit“ wird am 19. Juni über sein eigenes Label „Wolfpack Entertainment“ veröffentlicht werden, von Bushidos Label „ersguterjunge“ trennte er sich jüngst. Im Interview sprach er über die Trennung, sein neues Gesicht und das Album.

Man hat einige Zeit nicht mehr viel von dir gehört. Wie hast du die 18 Monate verbracht? War das eine kreative Pause?

Das war kreatives Arbeiten. Im Gegensatz zu vielen Rappern, die 14 Monate chillen und vier Monate arbeiten, wenn sie 18 Monate zum nächsten Album brauchen, habe ich zwei Monate gechillt und 16 Monate gearbeitet. Ich mache das jetzt alles alleine, aber auf einem anderen Niveau als eine 0815-Crew von schräg gegenüber.

Wie du selbst gesagt hast wird „dLdF“ dein bislang positivstes Album werden. Nun klingt der Titel „die Lüge der Freiheit“ auf den ersten Blick erst einmal nicht so positiv. Wie ist das zu erklären? Was willst du mit dem Albumtitel ausdrücken? Welche Botschaft möchtest du vermitteln?

Nur weil es positiver als seine Vorgänger ist, heißt es ja nicht, dass ich Party-Mucke mache, obwohl diesbezüglich auch Songs auf dem Album sind. Die Message ist einfach durchweg positiver, motivierender, selbstbewusster. Was ich aussagen will, wird nicht verraten. Ich finde, man sollte sich das Werk anhören und jeder für sich selbst entscheiden, welche Aussagen für ihn die Schwerpunkte bilden.

Was hat dich für die Texte des Albums inspiriert?

Mein Leben, Bücher, Gespräche, Menschen an sich.

Du hast angekündigt, dass das Album textlich und rap-technisch eine künstlerische Weiterentwicklung biete. Inwiefern drückt sich diese Entwicklung im Vergleich zu den vier vorherigen Alben aus?

Es ist einfach besser!

Wenn du von einem „ganz neuen D-Bo“ sprichst – bedeutet dies, dass musikalisch bei dir eine Art Richtungswechsel ansteht? Wie würdest du den „neuen“ D-Bo denn beschreiben?

Ganz neu heißt nicht, dass das Alte weg ist. D-Bo zeigt nur einfach alle Facetten seines Charakters. Ganz neu bedeutet auch: Mit neuer Begeisterung für die Musik.

Was erwartet deine Fans bei diesem Album? Du hast angedeutet, dass man einen Tag aus deinem Leben auf dem Album  miterleben wird. Wird das Album dann eher nachdenklich oder unterhalterisch angehaucht sein?

D-Bo ist doch immer nachdenklich. Natürlich unterhält das Album auch, sonst bräuchte ich keine Geschichte erzählen, sonst bräuchte ich die Mucke nicht rausbringen. Selbstverständlich MUSS ein Album unterhalten.

Gehört zu dem neuen D-Bo auch, dass er sich als eigenständiger Künstler fortentwickeln möchte? Könnte man die Eigenveröffentlichung des Albums so verstehen?

Also, wenn man mir jetzt nachsagt, ich wäre bei Egj NICHT eigenständig gewesen, dann hat man sich absolut nicht mit meiner Musik auseinandergesetzt. Alleine kann man sich letztendlich aber am kompromisslosesten weiterentwickeln.

Viele Fans haben nach diesem Schritt einen Streit zwischen dir und Bushido vermutet? Was ist an diesem Gerücht dran? Was hat dich dazu bewegt, das Label „ersguterjunge“ zu verlassen?

Hip-Hop ist so eine lächerliche Seifenoper, dass einem nicht geglaubt wird, wenn man einfach ein freier Mensch sein will, einfach sein eigener Chef in jeglicher Hinsicht. Außerdem sagt jeder: ‚Wie kann man nur so blöd sein? Egj ist das beste Label, D-Bo wird alleine scheitern‘. Kann sein. Vergleichen wir es mal mit Lukas Podolski. Der ist auch im besten Team, geht aber zu einem Team mit weit weniger Möglichkeiten und Ambitionen. Jeder weiß aber auch, dass dieser ‚Rückschritt‘ viele Vorteile bürgt. Die muss ich hier nicht aufzählen. Nicht jeder Mensch hat das Ziel so viel Geld wie möglich zu verdienen und nicht jeder Mensch hat einen ungesunden Geltungsdrang. Darüber sollte man mal nachdenken. Fazit: Kein Streit.

Nach diesem Schritt befürchten viele Fans auch, dass nach den Schließungen von „Optik Records“ und „Aggro Berlin“ auch „ersguterjunge“ folgen könnte. Hälst du das für wahrscheinlich?

Ist das denn wichtig? Ist denn Bushidos Musik schlechter, wenn er sie über Schieß-mich-tot-Records veröffentlicht? Sind die Beatlefield-Beats kacke, wenn sie über Diggen-Sägg-Entertainment veröffentlicht werden? Die Künstler könnten Befürchtungen haben, weil es leichter ist, sich über ein Label wie Aggro, Optik oder Egj gegenseitig die Verkaufszahlen zu pushen, für die Fans allerdings ändert sich an der Musik grundsätzlich nichts.

Wirft man einen Blick auf die Tracklist so scheint das Album wie eine Art Geschichte aufgebaut zu sein. Stimmt das? Welche Idee steckt dahinter?

Ja, eine durchgehende Story. Ein Tag aus meinem Leben – wie du bereits selber erwähnt hast. Die Idee war, eine durchgehende Geschichte zu machen.

Zu einem Album mit 17 Skits gehört Mut. Versuchst du damit frischen Wind in die Rap-Szene zu bringen?

Hä? Was ist denn daran mutig? Zum einen weiß keine Sau, wie sich das ins Gesamtbild einfügt und sollte deshalb auch nicht darüber urteilen, ob das den Hörgenuss stört. Zum anderen passiert genau das Gegenteil. Die Skits haben eine musikalische Untermalung, die dafür sorgt, dass der inhaltliche Rote Faden auch musikalisch funktioniert, denn in den besagten Skits wird vom Grundton des vorherigen Songs auf den Grundton des kommenden Songs moduliert, sodass es keine Disharmonien zwischen den einzelnen Titeln gibt.

Am Ende des Albums steht der Song „Lüge!!!“. Heißt das, dass das Album auf ein Happy End verzichtet?

Das muss jeder selber für sich entscheiden. Ich will da keinen zu einer Meinung verpflichten.

Du hast angekündigt, dass du in einem Bereich der Veröffentlichung etwas noch nie Dagewesenes wagen würdest. Kannst du dazu schon Genaueres verraten?

Das erfahren die Leute, wenn es soweit ist.

Wie war es für dich mit dem Produzenten-Team von „83 Sound“ zusammenzuarbeiten?

Super. Die Jungs sind so eine extreme Bereicherung für meine Musik. Man wird es ja dann hören.

Zur Person:

Geboren am 06. Juni 1978 in Göttingen und aufgewachsen in einem kleinen, 20 Kilometer entfernten Dorf macht Danny Bokelmann, alias D-Bo, grundsätzlich andere Erfahrungen, als ein Großteil seiner heutigen Musikerkollegen. Seine Mutter ist kurz vor der Geburt selbst gerade erst 17 geworden, der leibliche Vater vor der Verantwortung eines Kindes geflohen und die finanzielle Lage der Familie alles andere als stabil. Die Mutter bricht die Realschule ab und geht arbeiten, der Sohn wächst bei den Großeltern auf.

Soweit klingt es nach einer üblichen Kindheit aus der gesellschaftlichen Unterschicht, doch eine Wohnung, die keine Heizung besitzt und mit Öl- und Holzöfen beheizt wird, Tierzucht und Landwirtschaft zur Selbstversorgung oder völlige Abgeschnittenheit vom öffentlichen Nahverkehrsnetz stehen für andere Probleme als sie in den Hochhaussiedlungen der Vorstädte herrschen.

Trotz aller familiären Probleme – die Schule macht Danny Spaß. Sie fällt ihm leicht und er kann sich intensiv auf seine Hobbys konzentrieren. Die, die ihn am meisten fesseln, sind seit seinem vierzehnten Lebensjahr Basketball und Musik. So oft wie möglich wirft er ein paar Körbe oder sitzt vor seinem Fostex 4-Spur Multitracker, um Musik zu recorden. Mit 17 wird er Basketballtrainer und kurz darauf Abteilungsleiter der ganzen Sparte. Musikalisch knüpft er über das Internet Verbindungen in ganz Deutschland und freundet sich vor allem mit Leuten aus Hannover und Osnabrück an. Dort nimmt er auch seine ersten professionellen Studio-Songs auf.

1998 macht D-Bo sein Abitur, beginnt seinen Zivildienst und seinen Plan zu realisieren, ein eigenes Album aufzunehmen und zu verkaufen. Während er als Basketballspieler und vor allem als Trainer in immer höhere Ligen und Kadermannschaften aufsteigt (bis er 2004 aus Zeitgründen den Sport aufgibt), entwickelt sich musikalisch ein stetiges Auf und Ab. Danny entwickelt zusammen mit Jayo aus Osnabrück und Psycomatic aus Offenburg die Idee, einen Musikvertrieb für alle Untergrund-Rapper Deutschlands ins Leben zu rufen. ‚Distributionz’ wird geboren und auf der Suche nach passenden Künstlern lernt D-Bo, der inzwischen studiert, kurz vor der Jahrtausendwende Bushido kennen. Eine tiefe Freundschaft entsteht und zusammen mit ihm, Jayo und dem Duo Roulette/De La Mok aus Hannover entsteht 2001 D-Bos erstes Album „Deutscha Playa“.

Bushido ist zudem in ein Label namens ‚Iluvmoney Records’ involviert. Der Berliner Rapper und D-Bo ziehen zusammen nach Hannover und nutzen das dort vorhandene Netzwerk, um über ‚Iluvmoney Records’, welches damals auch die Heimat von ‚King Orgasmus’, ‚Bass Sultan Hengzt’ und ‚Fler’ war, Platten zu veröffentlichen. Doch Bushido erhält nach seinem erfolgreichen Debutalbum einen Plattenvertrag bei dem ambitionierten Label ‚Aggro Berlin’ und verlässt Hannover wieder Richtung Berlin. D-Bo hingegen sieht musikalisch keine Zukunft und zieht zurück nach Northeim, um im benachbarten Göttingen weiter zu studieren.

2004 verlässt Bushido ‚Aggro Berlin’ und wird von ‚Universal Music’ unter Vertrag genommen. Inzwischen hat er das Kapital und die richtigen Beziehungen um einen neuen, aber realistischeren Versuch zu wagen, ein eigenes Label zu gründen. Überzeugt davon, dass D-Bo der richtige Partner dafür wäre, lockt er den Northeimer nach Berlin: ‚ersguterjunge’ wird geboren. Die Erfolgsgeschichte dieses Labels ist hinlänglich bekannt und auch D-Bo veröffentlicht drei weitere Soloalben (2005 „Deo Volente“, 2006 „Seelenblut“ & „2007 Sans Souci“, dessen Single mehrfach auf Platz eins der MTV TRL-Urban-Charts gevotet wird), ist an drei Labelsamplern beteiligt, produziert Beats und ist ein entscheidender Faktor im Management der Plattenfirma. Das Resultat sind zwei Platin- und acht Goldauszeichnungen für Tonträger des Labels, an deren Erfolg auch D-Bo maßgeblich beteiligt war. Seine eigene Musik wird überwiegend als „ehrlich“, „deep“ und „wenig Hip Hop-konform“ bezeichnet und genau so sieht auch Danny Bokelmann sein Verhältnis zur sonstigen Szene.

2009 wird es jedoch viele Veränderungen geben. D-Bo bleibt weiterhin der alte D-Bo, aber dennoch erkennt man auch völlig neue Facetten am Künstler. Was eigentlich undenkbar schien, wird Wahrheit. D-Bo verlässt das Erfolgslabel ‚ersguterjunge’ und geht seine eigenen Wege. Streit gab und gibt es keinen, aber eine musikalische und geschäftliche Weiterentwicklung sei unter eigener Regie letztendlich am besten möglich. Man müsse neue, modernere Wege finden, Musik und Künstler zu vermarkten, so D-Bo. Wie so etwas funktionieren könne, werde man bei der Veröffentlichung seines fünften Soloalbums „Die Lüge der Freiheit“ erfahren.

Dass D-Bo innovativ denkt, beweist auch die sogenannte ‚D-Bo-Pedia’. Fans können sich auf seiner offiziellen Homepage in eine Community einloggen und dort aktiv an der inhaltlichen Gestaltung der Künstlerseite, eben wie beim großen Vorbild ‚Wikipedia’, teilhaben.

Desweiteren bietet sein fünftes Album auch inhaltlich viel Neues. 18 Songs verbunden durch 17 Skits liefern den Hörern eine durchgehende, spannende Geschichte, ähnlich der eines Hörbuchs. Man erlebt einen fiktiven Tag im Leben des Künstlers, an welchem sich jedoch alle realen Probleme aus D-Bos Leben durch die Songs widerspiegeln. Frust, Enttäuschung, Trennung und Einsamkeit lassen ein düsteres Szenario vermuten, doch D-Bo schafft es auf seine ganz spezielle Art, all diesen Gemütszuständen etwas Positives abzugewinnen und öffnet den Hörern ganz unterbewusst die Augen für alles Schöne und Gute in der Welt. Auch musikalisch fällt das neue Album wesentlich positiver aus. Ungewohnte Elektroeinflüsse und teilweise sogar tanzbare Party-Songs stören das Gesamtbild aber in keinster Weise. Im Gegenteil; D-Bo zeigt neue Seiten seines Charakters und erst so wird das Bild dieses Künstlers vollständig und harmonisch.

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Comments

  1. man du kannst überhaupt nicht rappen man,sehe es doch mal ein…du bist richtig wäckkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

  2. Interessantes Interview freu mich schon auf das Album am 19.6.

  3. bushido und fler sind back says:

    Bushido & Fler aka Sonny’Black & Frank White

    CARLO COKXXX NUTTEN II (PREMIUM EDITION)

    Tracklisting:

    1. Intro
    2. Reloaded
    3. Carlo Cokxxx Flashback
    4. Zwei Turntables und ein Mic
    5. Eine Chance
    6. Ich wollte eigentlich nur Rappen
    7. Der Song lacht
    8. Komm klar, Spast!
    9. Ich war noch nie wie die (Bushido aka Sonny’Black Solo)
    10. Zukunft Pt. II
    11. Unsterblichkeit
    12. Die Krähen kreisen
    13. Alptraum (Fler aka Frank White Solo)
    14. Vorbild
    15. Highlife
    16. Ich Rap für
    17. Zu Gangsta

    CD II:
    1. Zeiten ändern sich Pt. II
    2. Wie ein Tattoo
    3. Straßengangsound
    4. Ich Rap für (Remix feat. Kay One)

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