RĂĽckblick: Deutscher Hip Hop 2008
Das Jahr 2008 hielt in Sachen Hip-Hop so manche Ăśberraschung bereit. Im JahresrĂĽckblick liefert dir deutscher-rap.de die wichtigsten News und zeigt dir, was in diesem Jahr in der deutschen Rap-Szene vor sich ging.
Januar: Das Jahr begann mit einer Hiobsbotschaft. Am Abend des 14. Januar wurde der Berliner Rapper Massiv aus dem Hause Sony – mit bürgerlichem Namen Wasiem Taha - in Berlin-Neukölln angeschossen. Ein unbekannter, maskierter Täter war vor seinem Auto aufgetaucht, schoss den Rapper drei Mal an. Doch Glück im Unglück. Massiv musste „lediglich“ ambulant im Krankenhau behandelt werden. Am 01. Januar hatte Massiv sein Album „Ein Mann, ein Wort“ veröffentlicht. Die Kriminalpolizei schloss zwar nicht aus, dass es sich bei dem Angriff um eine Promotion-Inszenierung handelte. Massiv wies dies jedoch als „zynische, menschenverachtende und perverse Behauptung“ zurück. Im Januar ging außerdem die „Tot oder lebendig“-Tour von Kool Savas in die Startlöcher. Auch an den Start gingen Fler mit seinem Album „Fremd im eigenen Land“ (25.01.), „Die Sekte“ mit ihrem zweiten Sampler (18.01.) und die Crew von Samy Deluxe mit „TNT“ (25.01.).
Februar: Eine weitere Attacke auf einen Rapper ereignete sich am 06. Februar. Hierbei handelte es sich jedoch nicht um Zoff zwischen Rappern, sondern vielmehr um eine private Angelegenheit. Das Opfer dieses Mal: Bass Sultan Hengzt. Auf offener Straße wurde er von einer 21-jährigen Stalkerin mit einem 15 Zentimeter langen Küchenmesser bedroht. Ein Begleiter des Rappers verhinderte jedoch Schlimmeres. Beide blieben unversehrt.
März: Anfang März gaben die Kölner Gorillas von „La Honda“ die Trennung von „German Dream“, dem Label von Eko Fresh, bekannt. Zu groß seien die Differenzen zwischen Bushidos Label „ersguterjunge“, „German Dream“ und „La Honda“ gewesen. Damit sich die Streitigkeiten mit Bushido nicht auf Eko Fresh als „ersguterjunge“-Rapper auswirken, habe man sich im persönlichen Einvernehmen getrennt. Seitdem sind die Jungs von „La Honda“, Bero Bass und OJ Kingpin, bei dem aus alten Weggefährten bestehenden Label „38 Records“ unter Vertrag. Ruhrpott-Rapper Manuellsen brachte am 22. März sein Mixtape „Das ist meine Welt, ihr lebt nur darin“ raus. Zuvor feuerte er aber erst einmal ordentlich gegen „ersguterjunge“. So kündigte er an, dass er Kay One abstechen und Bushido zum Faustkampf herausfordern wolle. Nur wenige Tage später wurde der Beef beigelegt. Manuellsen traf sich mit Bushido, Kay One und „ersguterjunge“-Teilhaber Arafat in Berlin und Entschuldigungen wurden ausgetauscht. Die beiden Rapper Snaga und Pillath beendeten Mitte März ihre Zusammenarbeit mit „Deluxe Records“. Sie wollten ihren eigenen Weg gehen, da sich geschäftliche Differenzen zwischen ihnen und dem Label ergeben hätten. Dennoch sei man im Guten auseinander gegangen. Baba Saad brachte sein Album „Saadcore“ (21.03.) auf den Markt. MC Bogy machte Ende März mit seiner Platte „Atzenkeepers“ (21.03.) von sich Reden. Auch das Album „Feiern mit den Pleitegeiern“ (22.03.) von Frauenarzt stand ab Ende März in den Regalen der Läden.
April: Im April entschieden sich Jonesmann und „Bozz Music“, künftig getrennte Wege zu gehen. Grund zur Freude hatte dagegen Bushido. Am 3. April erreichte sein Album „7“ mit 200000 verkaufen Tonträgern Platinstatus. Nachdem Rapper Taichi auf den Seitenhieb von Favorite auf dessen Track „Anarcho Rap“ mit dem Track „KackVogelFave“ gekontert hatte, brachte Favorite im April den Disstrack „Aktive Sterbehilfe“ heraus. Wichtige Album-Releases im April: Franky Kubrick mit „Dramaking“ (18.04.), King Orgasmus mit „Orgi Pörnchen 5 Ost“ (18.04.) und Olli Banjo mit „Sparring 3“ (25.04.).
Mai: Nach der Trennung von „Bozz Music“ veröffentlichte Jonesmann am 23. Mai bei seinen selbst gegründeten Label „Echte Musik“ seine neue LP. Mit von der Partie waren auf der 21 Tracks umfassenden Platte unter anderem Olli Banjo, Manuellsen, Azad und MC Bogy. Produziert wurde das Album von Phrequincy, Benny Blanco, Bounce Brothers, Sti und Woroc. Mit „Aufstand auf den billigen Plätzen“ (02.05.) von Alpa Gun, „Der Countdown läuft“ (16.05.) von Ali A$, „Unter der Sonne“ (16.05.) von Chakuza, „Rap City Berlin Sampler III“ (16.05.), „Jenseits von Eden“ (30.05.) von Automatikk und „Meine Maske und Ich“ (30.05.) von Sido kamen im Mai gleich sechs Albumkracher auf den Markt. Manuellsen trennte sich im Mai von seinem Label “Deluxe Records” aufgrund interner Differenzen. Angeblich kritisierte er, dass das Label inkompetente Arbeit leiste. Fortgesetzt wurde im Mai zudem die „Tot oder lebendig“-Tour von Kool Savas.
Juni: Der Juni war der Monat der Release-Welle. Am 06. Juni veröffentlichten Fuhrmann und Bendt ihr Album „2 Chaoten“. Am gleichen Tag brachte King Orgasmus zwei Best Ofs heraus: „Liebe ist Schön – Best Of“ und „Best of Pörnchen“. Weitere wichtige Releases: F.R. mit „Vorsicht Stufe“ (13.06.), KIZ mit „Hahnenkampf Live“ (13.06.), MC Bogy und B-Lash mit „Ghettopoeten“ (20.06.), G-Hot mit „Wunder von Berlin“ (20.06.), Joka mit „Gehirnwäsche“ (27.06.) und Farid Bang mit „Asphalt Massaka“ (27.06.).
Juli: Am 31. Juli war es offiziell. „Optik Records“ um die Crew von Kool Savas und Co macht die Schotten dicht. Die Entscheidung sei Kool Savas nicht leicht gefallen. Um die GrĂĽnde machte er keinen Hehl: „Wir gehen lieber mit erhobenem Haupt, als später das sinkende Schiff verlassen zu mĂĽssen.”
August: Jonesmann bekam bei seinem frisch gegründeten Label „Echte Musik“ zuwachs: Er nahm den Frankfurter Rapper Blaze unter Vertrag. Dieser brachte am 22. August über das Label sein Album „Schocktherapie“ heraus. Nach dem Niedergang von „Optik Records“ hängte im August Manuellsen seine Rapper-Karriere im August endgültig an den Nagel. „Südberlin Maskulin“, das Album von Fler und Godsilla, kam am 29. August in die Läden. Am selben Tag releaste Kollegah sein zweites Soloalbum mit dem simplen Titel „Kollegah“.
September: Anfang September gab sich Sido bei Politik-Moderator Michel Friedmann in dessen Fernsehsendung „Friedmann schaut hin“ die Ehre. Mit Kool Savas, Frauenarzt, Curse, Joe Rilla, Jonesmann, Alpa Gun, F.R., Frank Kubrick und Pal One sowie einigen Newcomern taten sich eine bunte Palette an Rappern zusammen und warfen den Soundtrack „Deutschlands vergessene Kinder“ auf den Markt. Der Erlös ging komplett an das „ARCHE-Hip-Hop-Projekt“ Bushido stellte ein weiteres Mal seinen Geschäftssinn unter Beweis: Seine am 08. September veröffentlichte Biografie stieg auf anhieb auf Platz eins der Bestsellerliste ein. Wegen Urheberrechtsverletzung verklagte die Elektro-Band „Kraftwerk“ Rapper Moses P. Er sampelte für den Song „Nur mir“ für Sabrina Setlur einen Part von dem „Kraftwerk“-Klassiker „Metall auf Metall“. Am 05. September veröffentlichte Greckoe sein Album „Rapmusik“.
Oktober: Massiv signte mit Sonic nach Beirut bereits den zweiten Künstler bei „Al Massiva“. Am 03. Oktober brachte Bushido seine Fans mit seinem achten Soloalbum „Heavy Metal Payback“ wahrlich in einen Kaufrausch. Trotz Labeluntergang veröffentlichte Kool Savas am 17. Oktober sein Album „John Bello Story 2“. Am selben Tag kam „dumm aber schlau“, das neue Album von Das Bo. Nach langem warten erlöste Prinz Pi seine Fans am 24. Oktober mit der Veröffentlichung seines lang verschobenen Albums „Neopunk“.
November: Bushido zog aus dem Video-Boykott der Musiksender „Viva“ und „MTV“ seine Konsequenzen und beendete die Zusammenarbeit. Hintergrund: Nachdem Fler von Bushido-Fans im vergangenen Jahr bei MTV attackiert wurde, weil er ein Bushido-Poster zerrissen hatte, spielten die Musiksender keine Videos von Bushido mehr. Härter und krasser denn je – so lässt sich die im November erschienene „Aggro Ansage Nr. 8“ beschreiben. Auf ihr geben neben den altbekannten „Aggro“-Stars Sido, Fler, Tony D und B-Tight auch Flers „Südberlin Maskulin“-Kollege Godsilla sowie die neu gesignte Rapperin Kitty Kat ihre Fertigkeiten zum Besten.
Dezember: Am 09. Dezember hätte das mehrfach verschobene Album „Zahltag“ von Bass Sultan Hengzt nun eigentlich erscheinen sollen. Doch Aufatmen für die Fans: Am 06. Februar 2009 soll die Platte doch noch veröffentlicht werden. Raptechnisch gesehen stand der Dezember unter dem Stern des Diss-Kriegs von „ersguterjunge“ und „Aggro Berlin“. Angefangen hatte alles mit einigen Sticheleien von beiden Seiten.  So richtig beleidigt fühlte sich Bushidos Zögling Kay One durch die fiesen Diss-Lines von Sido auf dem Song „Du bist scheiße“ von der „Aggro Ansage Nr. 8“. Prompt konterten Bushido und Kay One mit dem Diss-Track „S.I.D.O“. Auf ihm betitelt Bushido Sidos Mutter als „Junkie-Mutter“. Eine Antwort auf den angezettelten Rapper-Krieg erhielt Bushido gleich in dreifacher Ausführung: Sido und Alpa Gun mit „Frohe Weihnachten“, Godsilla mit „Guten Rutsch“ und MOK mit „Gemein wie 10“. Ein Ende der Streitigkeiten ist auch zur Jahreswende hin nicht in Sicht.



